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 © Christian Heeb
© Christian Heeb

Reisetagebuch Kapstadt - Windhoek, Teil 1



Die erste Etappe der 3.500 Kilometer langen Reise von Kapstadt nach Windhoek führt von der Mother City über die N7, mit Abstechern an die West Coast weiter durch die Halbwüste des Namaqualandes, über den Oranje nach Lüderitz in Namibia.

 © Christian Heeb
© Christian Heeb
In Lüderitz endet der erste Teil des Reisetagebuchs Kapstadt-Windhoek.

1. TAG

Am Sunset Beach in Milnerton, dem nördlichen Vorort von Kapstadt, werfen wir einen letzten Blick auf das Tafelbergmassiv, das auch aus einiger Distanz einen großartigen Anblick bietet. Wir fahren in einem geräumigen Geländewagen über die R27 in Richtung Norden, vorbei an Blouberg- und Melkbosstrand in Richtung Langebaan. Die letzten Häuser, die wegen ihrer Strandlage von vielen Kapstädtern als Dauerdomizil geschätzt werden, liegen hinter uns. Nun ist die mit niedrigen Büschen gesprenkelte Landschaft weit, flach und menschenleer.
Yzerfontein taucht auf, ein Ferienort, der auch Ausgangspunkt für Exkursionen in den West Coast National Park ist. Der Park ist bei Ornithologen beliebt, denn es leben hier 60.000 Vögel, viele Kaptölpel, aber auch zahlreiche andere Arten, etwa Flamingos. Und im Sommer kommen Scharen gefiederter Migranten aus den winterlichen europäischen Ländern hinzu, die hier reichlich Nahrung finden.
Eine Allee von Königspalmen, die sich im Wind biegen, führt in den Ferienort Langebaan. Er liegt zwar in der geschützten Bucht, ist aber dennoch nicht vor Stürmen gefeit. So kämpfen wir auf dem breiten Sandstrand gegen eine steife Brise und flüchten dann in die windstilleren, von pittoresken Ferienhäusern gesäumten Straßen. Es ist Mitte Januar, im Landesinneren klettern die Temperaturen auf 40 Grad. Doch hier ist die Luft frisch, die Hitze gut verträglich.
In Saldanha, bekannt wegen der Salzgewinnung, fahren wir auf die R399 und verlassen das Meer und den Strand, um auf die N7 zu gelangen, die Hauptverkehrsader zwischen Kapstadt und Windhoek.
Die bizarren Konturen der Cederberge tauchen auf, die wir durchqueren, bis wir ein weites, fruchtbares Tal mit der kleinen Stadt Citrusdal erreichen. Leicht zu erraten: Ihre Bewohner leben hauptsächlich vom Anbau von Zitrusfrüchten. Zitronenbäume, Dattelpalmen und Bougainville flankieren die breite Hauptstraße, die an einer wuchtigen, weißen Missionskirche endet. Schmiedeeiserne Balkongeländer und blühende Vorgärten zieren die gepflegten Häuser. Kinder, schwarze und weiße, eilen in pinkfarbenen Schuluniformen heim. Die Hitze brütet.
Wir sind wieder auf der National Road, der Achse nach Norden mit einem zügig fließenden Verkehr. Olifants River Valley heißt das nächste, fruchtbare Tal mit Weinanbau, Obstplantagen, Melonenfeldern und schlanken Zypressen. Clanwilliam taucht auf, eine kleine Pionierstadt mit Missionskirche, Burendenkmal und freundlich grüßenden Menschen. Wir entdecken Geschäfte und Restaurants mit deutschen Namen, Nachfahren jener Pionierfamilien, die den Missionaren folgten. Auch der Rooibostee, mittlerweile weltweit getrunken, hat in der Nähe seine Heimat.
Inzwischen ist es später Nachmittag und wir fahren in Richtung Meer. Unser Bett für die kommende Nacht steht im Hafen von Lambert's Bay direkt an der Küste. Es ist 19 Uhr und fast dunkel, als wir dort ankommen.
Das Lambert?s Bay Hotel macht einen bodenständigen Eindruck. An der Bar hocken Afrikaans sprechende Ortsansässige, von denen wir ausgiebig und freundlich in Augenschein genommen werden, als wir uns für ein Bier zu ihnen gesellen.

2. TAG


Unser heutiges Etappenziel ist die Stadt Springbok, doch vorher werden wir das Namaqualand durchfahren, eine karge Halbwüste. Sie wirkt so abweisend, so verschlossen, dass es großer Phantasie bedarf, sich die unglaubliche Blütenpracht vorzustellen, die sich hier im August und September entfaltet. Doch vorher kurven wir noch durch Lambert's Bay mit seiner Fischereiindustrie, die den Charakter des Ortes prägt und verschieben den Besuch der Vogelkolonie auf Bird Island bis zum nächsten Mal.
"On the road again", auf der N7, immer Richtung Norden. Noch sehen wir einige Weinfelder mit großen Bewässerungsanlagen. Er wird hier wegen des besonders mineralhaltigen Bodens angebaut. Doch plötzlich ändert sich die Landschaft, wird karger, wüstenhafter. Es tauchen Geröllebenen auf, in der Ferne vereinzelte Berge. Bald erinnert nichts mehr an die blühenden Täler von Citrusdal und Clanwilliam. Schnurgerade, zielgerichtet, zieht sich die zweispurige Nationalstraße durchs Land. Sie ist die Hauptader des südafrikanischen Westens, sowohl für den Personen- wie den LKW-Verkehr.
Der Ort Kamieskroon taucht auf, der damit wirbt, das Herz des Namaqualandes zu sein. Er hat wenige Reize, dennoch ist jedes Gästebett während der Blumenblüte belegt. Jetzt, im Januar, dämmert die schlichte Siedlung unter einer Hitzeglocke vor sich hin. Kaum jemand ist zu sehen. Die Straßen sind staubige Wege aus rötlichem Sand.
Das einzige Hotel existiert seit 1925. Kamieskroon ist eine Gründung der Holländisch-Reformierten Kirche. Schule, Polizei, Poststation, Hotel, einige wenige Geschäfte - mehr Fixpunkte gibt es nicht. Weiter nördlich wird das Namaqualand felsiger. Blumenblüte? Auch hier kaum vorstellbar.
Noch vor Sonnenuntergang erreichen wir Springbok, eine lebendige Kleinstadt. Ein Business-Distrikt, hübsche, von weißen Mauern umgebene Einfamilienhäuser, viele Geschäfte und Restaurants, ein großes Rathaus - der Ort signalisiert soliden Wohlstand.
Auch unsere heutige Bleibe, das Mountain View Guesthouse, erweist sich als angenehm. Vor allem freuen wir uns über den kleinen Pool. Zum Dinner ein Treffen mit Norman und seiner Frau, zwei Alteingesessenen, die uns über ihr Leben in Springbok erzählen. Ein Leben, das sich von dem in einer deutschen Kleinstadt nicht grundsätzlich unterscheidet.

3. TAG


Der nächste Tag beginnt strahlend hell und schon früh morgens spürt man die kommende Hitze. Noch hundert Kilometer bis zum legendären Oranje, dem Grenzfluss zu Namibia. Links und rechts jetzt flache Steinwüste, gespickt mit kegelförmigen Bergen. Leeres, weites Land, nur Telefonmasten künden von Zivilisation.
Und dann taucht der Grenzübergang auf. Wir verlassen Südafrika, per Stempel amtlich vermerkt, an drei Stationen: Auswanderung, Zoll und Polizei. Die Abfertigung geht zügig vonstatten und beim Blick in die Pässe werden wir mit "Guten Morgen" begrüßt.
Zwischen Namibia und Südafrika schlängelt sich der Oranje. Kein reißender Fluss, sondern sommerlich-träges, braunes Wasser liegt still wie ein See. Wir rollen über eine Holzbrücke und reisen freundlich-professionell behandelt nach Namibia ein. Das Permit für den Mietwagen kostet 120 Namibische Dollar und ein Aushang der deutschen Botschaft zehn Minuten Aufmerksamkeit.
Mit eindringlichen Worten wird hier vor den Gefahren auf den Straßen und Pads in Namibia gewarnt. Denn: Jedes Jahr passieren durch Unachtsamkeit und zu schnelles Fahren Unfälle, leider auch tödliche. Kurz nach dem Grenzübergang geht es auf die C13 - die C-Straßen sind in Namibia Schotterpisten - Richtung Nordwesten, immer am Oranje entlang, den wir nicht sehen.
Was für eine Landschaft! So könnten die amerikanischen Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins die Mondlandschaft bei ihrer ersten Landung erlebt haben. Eine fast unwirkliche Gesteinswüste umhüllt uns, ein eigenartiges Gefühl von Fremdheit beschleicht uns. Gestern sahen wir noch alte Städte und Zivilisation, heute befinden wir uns im totalen Nichts: Geröll, Steinquader, Bergketten in der Ferne. Kein Grashalm hat eine Chance zum Gedeihen. Befremdlich, diese Trostlosigkeit, die kein Ende zu nehmen scheint. Dunkle Wolken und diffuses Licht verstärken den Eindruck noch.
Wir halten. Diskutieren. Sind wir hier richtig? Erreichen wir auf diesem Weg die Lodge? Warum gibt es kein Hinweisschild? Ratlosigkeit, erneutes Kartenstudium, dann der Entschluss, doch weiter zu fahren, ganz langsam, denn die Piste hat es in sich.
Dann blicken wir plötzlich in ein Tal. Eine Oase oder eine Fata Morgana? Es ist kaum zu glauben: Wir schauen auf fast endlose Weinfelder, rundherum beschützt von schimmernden Bergketten. Staunend und erleichtert rollen wir auf das Tal zu, dann über eine schnurgerade Spur mitten durch mannshohe Rebstöcke und - werden am Ende der Strecke freudig erwartet.
Angela Vasiljevic, die junge Managerin, steht mit gewinnendem Lächeln vor ihrer Lodge an einer Biegung des Oranje, der hier breiter ist und aus dem es zu dampfen scheint. Die Hitze staut sich zwischen zwei Bergketten und wir merken es bald - selbst nachts kühlt die Luft nicht ab.
Später erzählt uns Angela, die Tochter des Besitzers, die Geschichte dieser immensen Farm. 1988 kauften ihr in Kapstadt lebender Vater und andere Investoren das Wüstenland, bewässerten es und begannen, in großem Stil Tomaten anzupflanzen, um sie zu exportieren. Sie hatten keinen Erfolg. Nun versuchten sie es mit Tafeltrauben und wieder dauerte es Jahre, bis sich das Geschäft etablierte. Inzwischen werden jährlich drei Millionen Kisten Trauben exportiert.
In der Erntezeit von Oktober bis Januar kommen 17.000 schwarze Arbeiter und Arbeiterinnen mit ihren Familien aus allen Teilen des Landes und aus Südafrika. Sie leben in einfachen, selbst errichteten Rundhütten aus Stroh. Es ist ein Dorf mit Schulen, Tagesklinik, Post, Markt und Bottlestore entstanden. Ende Januar reisen die Großfamilien zurück in ihre Dörfer, um im Oktober desselben Jahres zurückzukommen.
Mit ihrem Landcruiser fährt uns Angela durch das Village, in dem Kinder spielen, Frauen auf dem Markt kaufen und verkaufen - sich bukolisches afrikanisches Leben auf Zeit entfaltet. Kinder rennen dem Auto hinterher, es wird gewunken, andere schenken uns keine Beachtung.
Kurz vor Sonnenuntergang fährt uns Angela in einen Canyon. Bernsteinfarbenes Licht fällt auf Muster, die Jahrmillionen in den Kalksandstein gezeichnet haben. Der Allradwagen erklimmt einen Berg und wir schauen von oben in eine Urlandschaft mit Oase. Das hat einen geradezu überwältigenden Reiz.
Abends, im Sessel vor unserem Rondavel, bei Kerzenlicht und mit dem Blick auf den Fluss lauschen wir in die stockfinstere Nacht und bewundern den funkelnden Sternenhimmel. Ein Tag mit phantastischen Eindrücken geht zu Ende.

4. TAG


Strahlende Sonne, tiefblauer Himmel und Wolken wie aus Zuckerwatte - der Tag beginnt vielversprechend. Abschied von Angela, Vorfreude auf den Fish River Canyon. Neue Planung. Eine Abkürzung ist wegen schwerer Regenfälle unsicher. So müssen wir zurück Richtung Noordoewer und dann über die B1 und die C10 weiter nach Ai-Ais.
Überraschung. Licht und Himmel haben sich geändert, die gestrige Strecke, die wir nun zurückfahren müssen, bietet heute ein ganz neues Bild. Die Felsschichten schillern in Rot, Gelb und Orange. Sanft geschwungene, gezackte und wieder kegelförmige Berge, dazwischen tischebene Geröllflächen, das alles erscheint heute klar und deutlich in hellem Morgenlicht. Es wäre die perfekte Kulisse für einen Film über die Entstehung der Kontinente, über das urzeitliche Gondwana, das vor 120 Millionen Jahren auseinanderbrach und zur Bildung Afrikas und Südamerikas geführt hat.
Ganz plötzlich reißen diese Bilder ab. Die asphaltierte B1 wird begleitet von vertrautem Gras- und Buschland. Doch nicht lange. Die nächste Schotterpiste, die C 10 in Richtung Ai-Ais, führt erneut in eine unglaubliche Szene: Weite Ebenen im Vordergrund, Felswände in changierenden Farben im Hintergrund, von dunklen Wolken bedeckte Bergketten, die tiefschwarz wirken und dann, wenn die Wolken weitergezogen sind, ein leuchtendes Rot annehmen.
Das Fahren erfordert jetzt Vorsicht: Immer schön in der Spurrille bleiben, bei Erhebungen wegen möglichen Gegenverkehrs links fahren. Auf der Höhe Gas wegnehmen, orientieren. Nur zweimal kommen Autos aus der Gegenrichtung, hüllen uns in eine Staubwolke. Das bedeutet sofort abbremsen.
Kurz vor Ai-Ais geht es auf die C 37 in Richtung Canon Lodge, wo wir diese Nacht bleiben. Doch wir fahren erst einmal an der Lodge vorbei unserem Tagesziel entgegen, dem Fish River Canyon.
Als wolle sich die Natur weiterhin selbst überbieten, tauchen jetzt gigantische, kilometerlange Tafelberge auf, Felsmassive wie von einem anderen Planeten. Welch ein faszinierender Anblick!
Der Blick in den Canyon - der zweitgrößte der Welt nach dem Grand Canyon in den USA - und auf den Fish River ist grandios. Inmitten dieser wilden Gebirgsregion fallen die Felsen jäh und schwindelerregend über 550 Meter zum Fluss ab, der hier in einem geschwungenen Bogen verläuft.
Über Jahrmillionen hat sich das Wasser in den Stein gefressen und die gewaltige, fast 30 Kilometer breite Schlucht geschaffen. Wir stehen auf einem steinigen Plateau am Rand, genießen die totale Stille und betrachten die riesigen, rotbraunen Felsmassive. Bis - ja bis das "Rollende Hotel" angefahren kommt, mit lauter Deutschen an Bord, die seit 28 Tagen in diesem seltsamen Gefährt durch das südliche Afrika reisen. Erstaunen auf beiden Seiten. Doch dann zeigt sich: Es gibt viel Gesprächsstoff.
In den Wintermonaten zwischen Mai und September darf im Fish River Canyon gewandert werden - doch nur mit Erlaubnis des staatlichen Reservierungsbüros in Windhoek. Dort muss man ein Gesundheitszeugnis vorlegen, denn der Canyon hat schon etliche Todesopfer von Wanderern gefordert, die sich über- und das Gelände unterschätzten.
Abends sitzen wir unter einer blühenden Akazie auf der zauberhaften Terrasse der Canon Lodge, trinken zu köstlichem Oryxsteak einen Delheim Pinotage 2001, essen als Dessert Apfelstrudel und betrachten einen brillanten Sonnenuntergang. Alle zehn Minuten erscheint einer der freundlichen Kellner und erkundigt sich fürsorglich nach unserem Befinden. Wie oft hören wir eigentlich an diesem Abend die Frage: "Alles gut?"
Das historische Gebäude der Canon Lodge ist voller Geschichte und Geschichten. Viel Lebensschicksal, viel Dramatik. Jahrzehntelang war hier die Farm Karios der deutschen Brüder Alphons und Stephan Schanderl. Mit unglaublich harter Arbeit rangen sie der Wüste eine Existenz ab. Und wurden nach dem Ende der deutschen Kolonisation vertrieben. Unsere Nachtlektüre ist ein Büchlein über diese bewegende Geschichte.

5. TAG


Wieder weckt uns gleißendes Licht am frühen Morgen. Der Blick aus unserem, an einen Felsen gelehnten Holzhäuschen wandert über weites Buschland mit Felsbrocken. Wir verlassen die Canon Lodge mit ihrem geschichtsträchtigen Haupthaus und dem blühenden Garten. Und verweilen in Gedanken noch ein wenig bei den Brüdern Schanderl.
Weiter geht es Richtung Norden, von der C 37 auf die C 12 nach Seeheim. In der Nacht hat es heftig geregnet. Ein paar Mal sinken wir in den roten Schlamm und haben Mühe, wieder herauszukommen. Also vorsichtiger sein. Vor jeder Vertiefung abbremsen, eine Spur definieren und zügig durchfahren. Wer in den Untiefen den Fuß vom Gas nimmt, ist schon verloren.
"Ohne Vierradantrieb kämen wir hier nicht weit". Dieser Satz ist kaum ausgesprochen, da bleiben wir stecken. Nicht im Schlamm, sondern vor einem auf der Karte eingezeichneten Trockenfluss. Das breite Bett hat sich nach dem Regen der letzten Nacht in ein reißendes Gewässer verwandelt. Kommen wir hier durch, können wir es wagen? Zögern, nachdenken, dann der Entschluss: Es ist zu riskant. Wir kehren um in Richtung Grünau. Ein Umweg, der uns viel Zeit kostet.
Auf der Strecke zurück kommen wir noch durch einige Riviere, die zum Glück weniger Wasser führen. Sie heißen Kaiserdamm, Schlangkop, Schnepfenfluss und Löwen, Namen aus deutschen Kolonialzeiten.
Verstohlener Blick auf den Tankanzeiger. Er nähert sich bedrohlich dem Nullpunkt. Der Reservekanister ist leer, der Umweg hat die Planung durchkreuzt. Nervosität kommt auf. Was ist, wenn wir hier liegen bleiben? Wie lange halten die Wasservorräte? Die Handys können wir vergessen, sie bekommen keinen Empfang. Und begegnet ist uns heute auch niemand. Eine Zwangspause in brütender Hitze könnte sehr unangenehm werden. Die Wüste, gnadenlos und unberechenbar, zeigt dem Menschen schnell seine Grenzen, lässt ihn unvermittelt eine existenzielle Bedrohung spüren.
Doch wir erreichen Grünau, den Blick immer wieder auf den Tankanzeiger gerichtet. Hier gibt es nur wenige Häuser, einen kleinen Supermarkt ? und die ersehnte Tankstelle.
Die B1 führt nun durch die kleinen und großen Karasberge. Bei Keetmanshoop biegen wir nach Westen ab auf die B4, die Teerpiste zum Meer. Noch 350 Kilometer bis Lüderitz. Doch was für eine Fahrt zu diesem Schnittpunkt zwischen der Eiseskälte des Atlantiks und der extremen Hitze der Wüste!
Die Szenerien wechseln ständig. Tischglatte Wüste, dann wieder die typischen kegelförmigen Berge, die sich wie großes Spielzeug auf der Ebene verteilen. Plötzlich langgezogene Tafelberge, die bis zur Straße reichen, am Ende steil abfallend, wie von einer höheren Macht abgeschnitten. Dazwischen wieder Buschland. Und immer wieder der Blick auf die Bahntrasse, damals von Deutschen in sechs Monaten gebaut, um die Schiffsladungen aus Lüderitz ins Landesinnere zu transportieren. Man sieht noch Haltestellen mit Bahnhäuschen. Wer um alles in der Welt ist in dieser menschenleeren Gegend aus- oder eingestiegen?
Es wird immer trockener. Keine Farmzäune sind mehr zu sehen. Und hinter der Bahnstation von Aus gibt es dann nur noch Sand. Hier beginnt die Namib, die Wüste mit den höchsten Dünen der Welt. Links das Diamantensperrgebiet, rechts der Namib Naukluft Park, die Sandhügel reichen oft bis zur Trasse, Schilder warnen vor Sandverwehungen. PKWs - wir sehen nur wenige - können hier unvermittelt stecken bleiben.
Kolmanskuppe taucht auf, das wir morgen besichtigen werden. Von weitem sehen wir die stattlichen Villen am Hang einer riesigen Sanddüne. Unwirtlicher kann ein Wohnort gar nicht sein.
Und dann geht es von einer Anhöhe hinab nach Lüderitz. Als erstes sehen wir den Turm der hoch liegenden Felsenkirche, dann rollen wir über die Bismarckstraße durch die Stadt mit den erstaunlich gut erhaltenen Gebäuden, die von Deutschen für die Ewigkeit gebaut wurden.
Wir fahren durch den Hafen ans Meer. Unser Hotel, das Lüderitz Nest Hotel, ist ein moderner Bau und - wie wir bald merken - voll von deutschen Reisenden. Geschafft! Die Zivilisation hat uns wieder. Wir riechen die See, die Luft ist frisch, ebenso der Kingklip, den wir später zum Dinner essen. Das Nest Hotel erweist sich als praktisch, komfortabel und von seinem deutschstämmigen Besitzer, dessen Familie seit Generationen in Lüderitz lebt, professionell geführt. Alle Zimmer haben Meerblick.
Wir sind gespannt auf das historische Lüderitz mit den Spuren visionärer Deutscher, die der Wüste mit unglaublicher Energie Leben abtrotzten. Menschen mit Pioniergeist, auch solche mit Schlitzohrigkeit und Geldgier. Was sie heutigen Besuchern hinterlassen haben und wie die Reise von Kapstadt nach Windhoek weiterging, lesen Sie in Teil 2 des Reisetagebuchs.


SÜD-AFRIKA Tipps
Autoreise von Kapstadt nach Windhoek


Erste Etappe, fünf Tage von Kapstadt nach Lüderitz:

UNTERKÜNFTE
1. Tag nach Lambert`s Bay, West Coast: Lambert`s Bay Hotel, Voortrekker Road, Lamberts Bay 8130, South Africa, Tel. 27 (0)27 432 1126, Fax 432 1036, www.lambertsbayhotel.co.za
Wer schon vorher einen Stopp einlegen möchte, kann in Langebaan übernachten:
Calypso Villas, P.O. Box 784, Langebaan, 7357, South Africa, Tel. 27 (0)22 772 2920, Fax 772 2923, www.calypsovillas.co.za
2. Tag nach Springbok, Northern Cape: Mountain View Guesthouse, 2 Overberg Ave., Springbok, South Africa, Tel./Fax 27 (0)27 712 1438, www.mountview.co.za
3. Tag nach Außenkehr Farm, Namibia: Angela Vasiljevic, Tel.: 264 (0)63 - 297 212.
4. Tag zum Fish River Canyon: Canon Lodge an der C37, 20 km von Canyon Main View Point, Buchung und Infos über Gondwana Desert Collection, PO Box 80205, Windhoek, Namibia, Tel. 264 (0)61 230 066, Fax 251 863, www.gondwana-collection.com
5. Tag nach Lüderitz: Lüderitz Nest Hotel, PO Box 690, Lüderitz, Namibia, Tel.: 264 (0)63 204 000, Fax: 204 001, www.nesthotel.com.

Allgemeine Information:
Man braucht für die Reise durch den Süden Namibias einen Geländewagen mit Vierradantrieb. Es müssen immer ausreichende Wasservorräte an Bord sein. Mindestens ein Ersatzreifen ist nötig, ein Reservekanister mit Benzin ratsam. Auf den Schotter- und Sandpisten ist langsames und umsichtiges Fahren angesagt, zumal sich der Zustand der Pisten über Nacht, etwa durch Regen oder Sandverwehungen, ändern kann. Die hier geschilderten Tagesetappen sind gut zu schaffen. Bevor die Dunkelheit einsetzt, sollte man seine Lodge erreicht haben.


© Text: Sigrid Latka-Jöhring
 

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