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Lesotho © Botschaft Lesotho
© Botschaft Lesotho

Feldweg ins Paradies - Lesothos Süden



Das kleine Königreich Lesotho liegt im östlichen Teil Südafrikas. Südlich der Hauptstadt Maseru findet man ein besonders reizvolles Gebiet dieses gebirgigen Landes: Ein fast 200 Meter hoher Wasserfall, die Spuren des Lesothosaurus und das "Tor zum Paradies".

Am Ende der Welt liegen deutsche Parkas auf dem Wühltisch. 1979 hergestellt, noch ungetragen und für 199 Maluti zu haben. Das Ende der Welt, das ist Semonkong. Ein Rudel Hütten, ein Cash Store und ein Fraser's Supermarkt inmitten des unwiderstehlichen Bergpanoramas der Blue Mountain Range in Lesotho.
Dieser Fraser's macht das Dorf zu einer Metropole - jedenfalls für die Bewohner der benachbarten Weiler. Mit diesen Shops wurde Lesotho von den Weißen erschlossen. Händler trauten sich immer tiefer in die Berge hinein und bildeten eine Kette der Zivilisation in der Wildnis.
Das Angebot ist breit gefächert: Axe Deo, Bata-Schuhe, Speiseöl, Hufeisen in allen Größen, Keilriemen, Dosenfleisch und das wichtigste: Decken, seit 150 Jahren der Modetrend in Lesotho. Die Basotho tragen sie über die Schulter, im Winter wie im Sommer, sogar bei 30 Grad Hitze; sie sollen gegen Kälte und Wärme schützen. Decken sind auch ein Statussymbol: Die teuersten und begehrtesten sind die bunten mit Krone, "Original Royal Quality", Made in England.
Die Sonne bleicht den weiten Vorplatz aus. Ein Schuhverkäufer hat Sesotho-Musik bis zum Anschlag aufgedreht, ein Pferd wiehert. Wir schaukeln weiter auf der Schotterpiste Richtung Süden, sehen Schafe, die in Steinsenken grasen, mäandern durch die erhabenen Berge der Blue Mountain Range - einem Vorgebirge der Drakensberge - auf Kringelstraßen, die mit der Hand durch den Stein getrieben wurden. Es wackelt und klappert, aber unser Kleinbus schafft es auch ohne Vierradantrieb bis ans Ziel.

Lesotho © Botschaft Lesotho
© Botschaft Lesotho
In den Canibal Caves.

Wasserfall im Pudelgras


Als das Röhren des Motors stirbt, hören wir es draußen donnern. Vom Parkplatz tasten wir uns den Grashügel hinunter auf den zweithöchsten Wasserfall des südlichen Afrikas zu. Der Maletsynyane schießt über den Abbruch und klatscht erst 192 Meter tiefer in der Schlucht auf. Zur Regenzeit führt der Zufluss des Oranje so viel Wasser, dass der Grund vollständig in den aufsteigenden Nebel gehüllt ist.
Man kann hinuntersteigen in diesen offenen Rachen. Der Hinweg dauert nur 20 Minuten, der Aufstieg etwas länger. Oben flittern Vögel wie Staubflocken durch den letzten Sonnenschein. Bis zum Horizont schlängelt sich der Fluss durch die verschränkten, muskelförmigen Hügel. Darüber liegt eine Stoppeldecke aus Kupferdrahtgras, die kurz vor sechs Uhr aussieht wie das Fell eines rosa gefärbten Pudels.
Wir hören nur das Wasser, das im Abgrund wütet und einen Schäfer, der im Gegenlicht auf dem Hügel singt und dabei seinen mit Schellen behängten Stab immer wieder auf den Boden stößt. Zwei junge Mädchen wippen gebückt über den Hügel. Sie sammeln Tierdung, mit dem die Basotho ihre Hütten heizen. Getrocknet glüht er bis tief in die Nacht wie Grillkohle.

Verrückte Rallyesportler


Wir befinden uns im Königreich Lesotho, weit südlich der Hauptstadt Maseru und den dichter besiedelten Gegenden des Landes. Semonkong und die Maletsunyane-Fälle liegen in einer Sackgasse in der Blue Mountain Range. Wir kehren um, fahren wieder Richtung Zivilisation und machen in der Nähe von Roma Halt.
Bei Ramabanta Trading Post Adventures sammeln sich vor allem die Anhänger eines waghalsigen Hobbys: dem Rallyesport. "Das hier ist eine Klasse-2-Sektion von insgesamt fünf Schwierigkeitsgraden", schreit mir Ashley über den Lärm des greinenden Motors hinweg zu. Wir sind auf der Kuppe angekommen und beginnen jetzt, einen Abhang mit 18 Prozent Neigung hinunter zu schliddern. Links lauert der Abgrund. Ich habe ein Gefühl wie auf dem Scheitelpunkt einer Riesenachterbahn, bloß dass überall Felsbrocken so groß wie Briefkästen im Weg liegen.
Ashley weicht ihnen mit seinem grünen Range Rover souverän aus. Er wirkt wie ein Haudegen aus Kolonialromanen. Zwar ist seine Familie schon 1885 aus England ins damalige Basotholand gekommen, der Mann ist aber immer noch so britisch wie Roger Moore. Am Fuß des Hügels schießen wir mit einer abenteuerlichen Geschwindigkeit über das Geröll. "Rennprofis fahren hier auf vier Rädern mit 80 Stundenkilometern durch, 120 mit dem Motorrad." Wir fahren 25 und auf meinem Arm stehen die Haare aufrecht.
Mit den Profis meint er die Fahrer der berüchtigten Rallye "Roof of Africa", die auf dem Weg von Johannesburg nach Durban auf ihrem schwierigsten Abschnitt durch Lesotho führt. Der 55-jährige Ashley nimmt zwar nicht mehr daran teil, er organisiert aber Fahrten für die Gäste seiner Trading Post Lodge bei Roma, Wandertouren mit Packpferden in abgelegene Dörfer und Mountainbiketrips. Nebenbei betätigt er sich als Pistensponsor: Er versucht, die losen Enden des Straßennetzes miteinander zu verbinden. Dazu beschäftigt er Einheimische, die die Pfade für Allradautos befahrbar machen.
Wieder zurück im VW-Bus, fahren wir an der Maphotong Gorge vorbei, einer geheimnisvollen Öffnung in der Felswand. Ihr Ende ist vom Nebel verschleiert, Felsblöcke lehnen über dem Abgrund, die ganze Kluft ist dunkelgrün und fruchtbar. In ihrem Schoß wohnen Bartgeier. Die seltenen Vögel brauchen ein riesiges Territorium und leben bis zu 50 Kilometer voneinander entfernt. Sie ernähren sich von Knochen, die sie verschlucken und mit der Salzsäure in ihrem Magen zersetzen.

Lesotho © Botschaft Lesotho
© Botschaft Lesotho
Viele Lodges sind auf reitausflüge spezialisiert.

Mit Pferden zu Saurierspuren


Am nächsten Morgen machen wir uns nach Morija auf, der kulturellen Hauptstadt Lesothos. Sie wurde in den 1830ern von europäischen Missionaren gegründet. Hier befindet sich das einzige Museum des Landes: Von Dinosaurierfossilien bis hin zu Handschriften der ersten Missionare reichen die ausgestellten Stücke.
Kurator Stephen Gill, der das Standardwerk über die Geschichte Lesothos geschrieben hat, ist eine unerschöpfliche Quelle. Er lässt Hobbyhistoriker sogar in den Archiven stöbern, die zum großen Teil noch nicht gesichtet worden sind.
Höhepunkt des Jahres ist das Morija Festival, das immer im Oktober stattfindet und ein buntes Panorama der Basothokultur zeigt: Traditionelle Musik und Tänze mischen sich mit Theater, Sport und Unterhaltung für Kinder.
Wir fahren hinüber ins Morija Guesthouse, das auf einem Fels über dem Städtchen liegt. Auf zwei Seiten schließen Tafelberge das Tal ab - Mpharane heißen sie auf SeSotho. Fünf Minuten später hat man mich auf "Charcoal" gehievt, ein geduldiges Basotho-Pony. Ich bin noch nie auf einem Pferd gesessen und klammere mich panisch an den Sattelknauf.
Über uns ragt der Makhoarane auf. Durch einen Hain reiten wir langsam nach oben, das Pony stakst sicher über den steinigen Anstieg. Auf halber Höhe steigen wir ab und gehen ein paar Meter zu Fuß weiter, bis wir vor einem sechs Meter hohen Brocken Sandstein stehen.
Der Fels war einst Teil des Bereaplateaus, das 50 Meter über unserem Standpunkt beginnt. Dann brach er ab, stürzte herunter und öffnete sich wie ein Buch. Dieses Buch enthielt ein uraltes Geheimnis: Die Fußspuren eines Sauriers, der vor 200 Millionen Jahren über die matschige Hochebene gelaufen ist. Wissenschaftler nennen ihn Lesothosaurus.
Die 15 Zentimeter langen Abdrücke seiner Füße sind gut zu erkennen. Die etwa einen Meter große Echse lief auf den Hinterbeinen und muss Mühe gehabt haben, in der vollgesogenen Erde voranzukommen: Ihre drei Zehen haben sich beim Abstoßen tief eingegraben.

Tor zum Paradies


Wer Lust hat, kann bis auf das Plateau hinaufreiten und dort in einem abgelegenen Basothodorf übernachten - alles wird vom Morija Guesthouse organisiert. Wir aber fahren weiter in den Süden. Die letzten Meter zum Pass über die Matakile-Berge steigen wir zu Fuß auf, um den vielleicht spektakulärsten Ausblick Lesothos voll genießen zu können.
Hinter uns liegt ein Tal mit gelben und braunen Terrassen, die langsam zu einer Zone mit grünem Gras und Aloen aufsteigen. Drei verlassene Hütten stehen an der Passstraße, in der Ferne liegen Dörfer im Dunst. Am Horizont schimmern bleich die niedrigen Thaba Tsoeu, die Weißen Berge.
Als wir auf den Scheitel des Passes in 2001 Meter Höhe kommen, erschließt sich uns die gesamte Pracht Lesothos mit einem Blick. An den Hängen des Tals wachsen Fichten, Eichen, Zypressen und Pappeln. Im Grund liegen schwarzbraune, satte Felder, die durch Linien aus leuchtend gelbem Gras getrennt sind. Die Giganten der Blue Mountains umgeben das Tal mit ihren Rippen und Runzeln. Sie stehen da wie schon seit über 100.000 Jahren, von der Abendsonne grau-rot beleuchtet.
Das Tor zum Paradies wird der Ort genannt, nach einem Satz von Mervyn Smith, der an der Passstraße in dunklen Marmor geschlagen ist: "Wayferer Pause and Look Upon a Gateway of Paradise". Der vierschrötige Engländer war so begeistert von der Landschaft, dass er 1878 wenige Kilometer weiter den Trading Post Malealea gegründet hat.
Sein Wohnhaus ist heute das Hauptgebäude der Lodge, die vielen Lesothotouristen als Basisstation dient. Mick und Di Jones haben hier in enger Zusammenarbeit mit den Einheimischen ein Idyll geschaffen. Man kann in alten Farmhäusern oder in Rondavels übernachten, Budget-Touristen bekommen ein Stück Rasen auf dem Campingplatz zugewiesen. Sogar der Tennisplatz, den Merwyn Smith angelegt hat, ist noch bespielbar. Zur Romantik trägt auch noch bei, dass die Lodge nur über Funk mit der Außenwelt verbunden ist.

Lesotho © Malealea Lodge
© Malealea Lodge
Ökolodge Malealea.

Vorbildliche Ökolodge


Malealea ist eines der erfolgreichsten Öko-Tourismus-Projekte im südlichen Afrika. Mick und Di Jones haben eine Schule gebaut, ein Museum eingerichtet und betreuen einen Laden, in dem die Einheimischen ihre Handwerkskunst an Touristen verkaufen. Gerade ist die von der Lodge gesponserte Community Hall fertig geworden.
Viele Bewohner stellen die Pferde für die beliebten Ponytrekking-Touren der Malealea Lodge oder begleiten sie als Führer und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt. Andere bauen Tische für die Gästezimmer aus leeren Bierdosen - Hilfe für die Community und Umweltschutz gehen hier Hand in Hand. "Die Gemeinde hat an unseren Gästen im Lauf der Jahre weit über eine Million Rand verdient", sagt Di stolz.
Abends tritt am Lagerfeuer ein schwarzer Dorfchor auf, der auch schon nach Europa geflogen ist. Am Ende sitzen die Gäste bei einem Bier zusammen und erzählen sich unter dem klaren Sternenhimmel Reisegeschichten aus der ganzen Welt.
Vorher gehe ich noch zu Fuß ins Dorf. Im letzten Sonnenlicht komme ich mit einem jungen Schwarzen ins Gespräch, den ich nach dem Sorghumbier frage, das überall in Lesotho gebraut wird. Er lotst mich zum Haus einer älteren Frau. Hinter uns sammelt sich nach und nach das ganze Dorf - ein Weißer will Tschoala trinken!
Die Frau geht gebückt in einen dunklen Raum und bringt mir eine mächtige Stahltasse heraus, die halb mit einer flüssigen Masse gefüllt ist. Ich setze an - Tschoala ist ein Getreidebrei, eher eine Mahlzeit als ein Bier, wie wir es kennen. Alkohol spüre ich zunächst nicht. Die Alte fragt mich, wie es mir schmeckt - sehr mäßig, ehrlich gesagt, aber ich lache und nicke begeistert, zeige meinen erhobenen Daumen. Das bin ich diesem wunderschönen Land nun wirklich schuldig.


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Lesotho


UNTERKÜNFTE UND AKTIVITÄTEN Malealea Lodge, P.O. Box 27974, Danhof, Bloemfontein 9310 South Africa, Tel.: 27 (0)82 552 4215, malealea@mweb.co.za, www.malealea.com
Morija Guest House and Tours, P.O. Box 306, Morija, 190 Lesotho, Tel. 266 6306 5093 Fax: 266 2236 0306, www.morijaguesthouses.com. Infos zum Festival: www.morijafest.com
Roma Trading Post Guest House und Ramabanta Adventures, P.O. Box 64, Maseru, Lesotho, Tel./Fax: 266 2234 0202, www.tradingpost.co.za

© Text: Lukas Martin/AMERICA
 

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